100 Jahre Deutscher Werkbund
Preisverleihung
Projekt "Umbruch gestalten" - zum Abschluss des Wettbewerbs am 14. Oktober 2006
"Umbruch gestalten" ist das wichtigste Projekt, das der Deutsche Werkbund Sachsen e.V. in den Jahren 2005 / 06 realisiert hat. Der Impuls für das Vorhaben ergab sich aus den einhundertjährigen Jubiläen der 3. Deutschen Kunstgewerbeausstellung 1906, bei der die Reformbestrebungen deutscher Künstler, Architekten und Unternehmer erstmals eine gemeinsame Plattform fanden sowie der dabei in Dresden entwickelten Idee zur Gründung von Hellerau als Gartenstadt mit einer Einheit von Arbeiten, Wohnen und Kultur.
Vor allem jedoch sollte in Verbindung zum 100. Gründungstag des Deutschen Werkbundes 2007 mit dem Projekt ein Beitrag zur Förderung neuer Ideen und der Qualität gegenständlicher Kultur geleistet werden. Anknüpfend an den im Gründungstatut formulierten Leitsatz des Deutschen Werkbundes für die "Veredelung der gewerblichen Arbeit" zu wirken, sollte über den Wettbewerb "Umbruch gestalten" auf der Grundlage konkreter Konzepte diskutiert werden, wie am Beginn des 21. Jahrhunderts eine qualitative Erneuerung der gegenständlichen Kultur erfolgen kann.
Gedankliche Grundlagen waren u.a., dass die elektronische Technik völlig neue Produktions- und Kommunikationstechnologien hervorgebracht hat, die eine weltweite Verknüpfung ökonomischer, politischer und ökologischer Prozesse und weit reichende kulturelle und sozialen Umbrüche auslöste.
Dabei wird deutlich, dass einseitiges Fortschrittsdenken, das die Entwicklungen im 20. Jahrhundert und auch die ursprünglichen Aktivitäten des Deutschen Werkbundes geprägt hatten, an Grenzen gestoßen ist. Es sind nicht nur die natürlichen Ressourcen der Erde begrenzt. Auch das Spannungsfeld zwischen der natürlichen Herkunft des Menschen und der von ihm geschaffenen künstlichen Welt kann nicht weiter disproportioniert werden, ohne die Lebensqualität des Einzelnen und ebenso sozialer Gruppen einzuschränken. Diese Probleme sind heute nicht mehr so überschaubar zu erfassen, wie vor 100 Jahren. Eine weltweite Vernetzung von Wirtschaft, Kommunikation und sozialen Abhängigkeiten verändern die Anforderungen an Kultur und führen zu neuen Leitbildern bei der individuellen Lebensplanung. Das wird spätestens seit der Jahrhundertwende deutlich, als die Folgen der Verlagerung vieler industrieller Schwerpunkte aus den alten westlichen Industrieländern in die neuen Industriestaaten Asiens, Süd- und Mittelamerikas immer deutlicher spürbar wurden. Während die Entwicklung in vielen Ländern Afrikas, Südamerikas und Mittelasiens stagniert und kriegerische Auseinandersetzungen u.a. wegen der Nutzung der natürlichen Ressourcen hervorruft, ist in den neuen Industriestaaten Asiens eine Situation entstanden, die der in der westlichen Welt um 1900 nicht unähnlich ist: die Menschen strömen in die Städte, die Städte wuchern regellos, die Produkte der neuen Industrie sind überwiegend billige Marktware ohne gestalterischen Anspruch. Maßstäbe, wie sie vergleichbar der Werkbund 1907 formulierte, sind nicht vorhanden. In den alten westlichen Industriestaaten hingegen müssen Lösungen für die brach gefallenen Wirtschaftsareale, für die Entwicklung neuer wert schöpfender Leistungspotentiale und für die durch den Veränderungsprozess entstandenen sozialen und demografischen Probleme gefunden werden. Was einmal "modern" war, gehört nun ins vergangene Jahrhundert.
Hier setzt der Wettbewerb "Umbruch gestalten" an. Der Aufruf zielte auf Konzepte, mit denen entstandene Verwerfungen und neue Herausforderungen mit einer neuen gestalterischen Qualität gemeistert werden können. Er orientierte damit auf die gestalterischen Dimensionen vorrangig in den Bereichen der gegenständlichen Kultur, der Kommunikation und der Bildung Beispielsweise: Welche neue wert schöpfende Arbeit kann neben der im Hochtechnologie-Bereich entstehen?
Wie soll sich zukünftig Wohnen gestalten, im "Karton", im "Nest" oder auf andere Weise? Wie kann der offenkundigen "Entsinnlichung" des Gestaltens, das ausschließlich über den Rechner erfolgt, begegnet werden? Wie lässt sich durch eine komplexere Bildung, die mehr ist als das reine Anhäufen von Faktenwissen, Faktenbearbeitung und Internetabfrage die Kreativität und die Gestaltungsfähigkeit in der Gesellschaft fördern?
Der Wettbewerb wurde durch die durch Förderung der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Wüstenrot Stiftung und der Siemens AG ermöglicht und durch ehrenamtliche Tätigkeit von sächsischen Werkbundmitgliedern und eines Fachbeirates betreut.
Zur Vorauswahl wurden 49 Beiträge eingereicht. Eine Fachjury wählte 25 Beiträge für die Endrunde aus. Diese fand am 13. Oktober 2006 in den Deutschen Werkstätten Hellerau statt. Die Preisverleihung erfolgte anlässlich des Werkbundtages am 14. Oktober 2006 im wiedereröffneten Festspielhaus Hellerau.
Nach der Entscheidung der Jury wurden folgende Preise vergeben:
PREISTRÄGER
- Jan de Wolff, Frank Lauhoff - "sonnpark.de_urbane Strategie für den östlichen Altstadtring in Dresden"
- Julia Heinemann - "Warum sich die Bewohner die Stadt erobern können und nicht andersrum"
- Prof. Dr.-Ing. Peer Haller - "Textilbewehrte Formholzprofile"
- Gerd Priebe - "Freiräume gestalten"
- Julius Viehoff - "digitale Gärten für die Metacities"
ANERKENNUNG
- Manuela Perz - "Neuland Nochten"
- Ina Franzke, Jan Landschreiber - "Die unterbewußte Stadt"
Schon im Vorfeld der Juryentscheidung hatte sich gezeigt, dass vielen der eingereichten Beiträge ein fachübergreifender Lösungs-
ansatz fehlte. Vorwiegend wurden Probleme aus der Spezifik von Fachgebieten heraus diskutiert und kaum Impulse reflektiert, die aus der Grundlagenforschung, den Geisteswissenschaften und den Künsten aktuell verfügbar sind, oder sich aus der Verknüpfung mehrer Fachgebiete ergeben könnten.
Der Beirat des Wettbewerbs schlussfolgerte deshalb, dass es wichtig ist, in einem nach folgenden Projekt vernetzbare Ressorts zusammen zu führen und dabei kooperatives Denken und Gestalten zu entwickeln. Es muss das Ziel der weiteren Werkbundaktivitäten sein, im Prozess des Formenwandels, der sich durch neue Technologien, Materialien und kulturelle Entwicklungen ergibt, innovative Potentiale und den nach wie vor gültigen hohen Qualitätsanspruch an die Gestaltung zu fordern und zu fördern. Es ist geplant, einem nachfolgenden Projekt "Umbruch gestalten - interdisziplinär" am im Mai 2007 in der Landesvertretung des Freistaates Sachsen in Berlin, eine erste Plattform zu schaffen
Bernd Sikora
Kurator des Wettbewerbs
Dr. Uwe-Jürgen Ohlau
Vorsitzender des Projektbeirats
"Umbruch gestalten" ist das wichtigste Projekt, das der Deutsche Werkbund Sachsen e.V. in den Jahren 2005 / 06 realisiert hat. Der Impuls für das Vorhaben ergab sich aus den einhundertjährigen Jubiläen der 3. Deutschen Kunstgewerbeausstellung 1906, bei der die Reformbestrebungen deutscher Künstler, Architekten und Unternehmer erstmals eine gemeinsame Plattform fanden sowie der dabei in Dresden entwickelten Idee zur Gründung von Hellerau als Gartenstadt mit einer Einheit von Arbeiten, Wohnen und Kultur.
Vor allem jedoch sollte in Verbindung zum 100. Gründungstag des Deutschen Werkbundes 2007 mit dem Projekt ein Beitrag zur Förderung neuer Ideen und der Qualität gegenständlicher Kultur geleistet werden. Anknüpfend an den im Gründungstatut formulierten Leitsatz des Deutschen Werkbundes für die "Veredelung der gewerblichen Arbeit" zu wirken, sollte über den Wettbewerb "Umbruch gestalten" auf der Grundlage konkreter Konzepte diskutiert werden, wie am Beginn des 21. Jahrhunderts eine qualitative Erneuerung der gegenständlichen Kultur erfolgen kann.
Gedankliche Grundlagen waren u.a., dass die elektronische Technik völlig neue Produktions- und Kommunikationstechnologien hervorgebracht hat, die eine weltweite Verknüpfung ökonomischer, politischer und ökologischer Prozesse und weit reichende kulturelle und sozialen Umbrüche auslöste.
Dabei wird deutlich, dass einseitiges Fortschrittsdenken, das die Entwicklungen im 20. Jahrhundert und auch die ursprünglichen Aktivitäten des Deutschen Werkbundes geprägt hatten, an Grenzen gestoßen ist. Es sind nicht nur die natürlichen Ressourcen der Erde begrenzt. Auch das Spannungsfeld zwischen der natürlichen Herkunft des Menschen und der von ihm geschaffenen künstlichen Welt kann nicht weiter disproportioniert werden, ohne die Lebensqualität des Einzelnen und ebenso sozialer Gruppen einzuschränken. Diese Probleme sind heute nicht mehr so überschaubar zu erfassen, wie vor 100 Jahren. Eine weltweite Vernetzung von Wirtschaft, Kommunikation und sozialen Abhängigkeiten verändern die Anforderungen an Kultur und führen zu neuen Leitbildern bei der individuellen Lebensplanung. Das wird spätestens seit der Jahrhundertwende deutlich, als die Folgen der Verlagerung vieler industrieller Schwerpunkte aus den alten westlichen Industrieländern in die neuen Industriestaaten Asiens, Süd- und Mittelamerikas immer deutlicher spürbar wurden. Während die Entwicklung in vielen Ländern Afrikas, Südamerikas und Mittelasiens stagniert und kriegerische Auseinandersetzungen u.a. wegen der Nutzung der natürlichen Ressourcen hervorruft, ist in den neuen Industriestaaten Asiens eine Situation entstanden, die der in der westlichen Welt um 1900 nicht unähnlich ist: die Menschen strömen in die Städte, die Städte wuchern regellos, die Produkte der neuen Industrie sind überwiegend billige Marktware ohne gestalterischen Anspruch. Maßstäbe, wie sie vergleichbar der Werkbund 1907 formulierte, sind nicht vorhanden. In den alten westlichen Industriestaaten hingegen müssen Lösungen für die brach gefallenen Wirtschaftsareale, für die Entwicklung neuer wert schöpfender Leistungspotentiale und für die durch den Veränderungsprozess entstandenen sozialen und demografischen Probleme gefunden werden. Was einmal "modern" war, gehört nun ins vergangene Jahrhundert.
Hier setzt der Wettbewerb "Umbruch gestalten" an. Der Aufruf zielte auf Konzepte, mit denen entstandene Verwerfungen und neue Herausforderungen mit einer neuen gestalterischen Qualität gemeistert werden können. Er orientierte damit auf die gestalterischen Dimensionen vorrangig in den Bereichen der gegenständlichen Kultur, der Kommunikation und der Bildung Beispielsweise: Welche neue wert schöpfende Arbeit kann neben der im Hochtechnologie-Bereich entstehen?
Wie soll sich zukünftig Wohnen gestalten, im "Karton", im "Nest" oder auf andere Weise? Wie kann der offenkundigen "Entsinnlichung" des Gestaltens, das ausschließlich über den Rechner erfolgt, begegnet werden? Wie lässt sich durch eine komplexere Bildung, die mehr ist als das reine Anhäufen von Faktenwissen, Faktenbearbeitung und Internetabfrage die Kreativität und die Gestaltungsfähigkeit in der Gesellschaft fördern?
Der Wettbewerb wurde durch die durch Förderung der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Wüstenrot Stiftung und der Siemens AG ermöglicht und durch ehrenamtliche Tätigkeit von sächsischen Werkbundmitgliedern und eines Fachbeirates betreut.
Zur Vorauswahl wurden 49 Beiträge eingereicht. Eine Fachjury wählte 25 Beiträge für die Endrunde aus. Diese fand am 13. Oktober 2006 in den Deutschen Werkstätten Hellerau statt. Die Preisverleihung erfolgte anlässlich des Werkbundtages am 14. Oktober 2006 im wiedereröffneten Festspielhaus Hellerau.
Nach der Entscheidung der Jury wurden folgende Preise vergeben:
PREISTRÄGER
- Jan de Wolff, Frank Lauhoff - "sonnpark.de_urbane Strategie für den östlichen Altstadtring in Dresden"
- Julia Heinemann - "Warum sich die Bewohner die Stadt erobern können und nicht andersrum"
- Prof. Dr.-Ing. Peer Haller - "Textilbewehrte Formholzprofile"
- Gerd Priebe - "Freiräume gestalten"
- Julius Viehoff - "digitale Gärten für die Metacities"
ANERKENNUNG
- Manuela Perz - "Neuland Nochten"
- Ina Franzke, Jan Landschreiber - "Die unterbewußte Stadt"
Schon im Vorfeld der Juryentscheidung hatte sich gezeigt, dass vielen der eingereichten Beiträge ein fachübergreifender Lösungs-
ansatz fehlte. Vorwiegend wurden Probleme aus der Spezifik von Fachgebieten heraus diskutiert und kaum Impulse reflektiert, die aus der Grundlagenforschung, den Geisteswissenschaften und den Künsten aktuell verfügbar sind, oder sich aus der Verknüpfung mehrer Fachgebiete ergeben könnten.
Der Beirat des Wettbewerbs schlussfolgerte deshalb, dass es wichtig ist, in einem nach folgenden Projekt vernetzbare Ressorts zusammen zu führen und dabei kooperatives Denken und Gestalten zu entwickeln. Es muss das Ziel der weiteren Werkbundaktivitäten sein, im Prozess des Formenwandels, der sich durch neue Technologien, Materialien und kulturelle Entwicklungen ergibt, innovative Potentiale und den nach wie vor gültigen hohen Qualitätsanspruch an die Gestaltung zu fordern und zu fördern. Es ist geplant, einem nachfolgenden Projekt "Umbruch gestalten - interdisziplinär" am im Mai 2007 in der Landesvertretung des Freistaates Sachsen in Berlin, eine erste Plattform zu schaffen
Bernd Sikora
Kurator des Wettbewerbs
Dr. Uwe-Jürgen Ohlau
Vorsitzender des Projektbeirats

